Es gibt einen Moment, der verändert, wie man La Palma sieht. Er tritt meist nachts ein, auf 2.426 Metern Höhe, wenn das einzige sichtbare Licht von den Teleskopen des Roque de los Muchachos und den Sternen kommt. Nicht der Sternenhimmel, den man aus der Stadt kennt — dieses blasse Zelt mit ein paar hellen Punkten — sondern der echte Himmel: dicht, lebendig, fast greifbar. Die Milchstraße nicht als abstraktes Konzept, sondern als physische Struktur, die sich von Horizont zu Horizont erstreckt.

Diesen Moment bietet keine andere Insel im Atlantik. Und er ist nur einer von vielen, die La Palma für diejenigen bereithält, die mit Zeit und ohne Eile kommen.

La Palma ist vertikal. Sie steigt von Meereshöhe auf 2.426 Meter in weniger als 15 Kilometern horizontaler Linie an. Diese Vertikalität schafft Landschaften, die sich alle 200 Höhenmeter ändern: schwarze Vulkanfelsküste, Bananenplantagen, Pinienwälder, Lorbeerwälder, gipfelnahe Steinlandschaft ohne Vegetation. Das sind keine Landschaften, die man von der Straße aus sieht — das sind Landschaften, die man zu Fuß durchquert, auf Pfaden, die die Ureinwohner benutzten, bevor es Asphalt gab.

Dieser Reiseführer beantwortet die Frage, die sich diejenigen am häufigsten stellen, die ihre Unterkunft bereits gebucht haben: „Was machen wir eigentlich auf La Palma?“ Wer noch auf der Suche nach der richtigen Unterkunft ist, beginnt am besten beim vollständigen Ratgeber für Ferienhäuser auf La Palma.


Wandern: die Routen, die man nicht verpassen sollte

La Palma hat mehr als 1.000 Kilometer ausgeschilderter Wanderwege. Die meisten sind nicht mit dem Auto erreichbar. Einige haben nicht einmal einen Namen. Die besten erkundet man in Stille, mit Wanderschuhen, Wasser und ohne Google Maps (im Inselinnern gibt es fast keinen Empfang).

GR 130 — Die komplette Umrundung

Der Fernwanderweg GR 130 (Camino Real de la Costa y Medianías) umrundet die gesamte Insel in 8 Etappen (~160 km) und verläuft durch die Küsten- und Mittellagen. Die meisten Besucher wandern zwei oder drei einzelne Etappen, die bereits ein vollständiges Bild von La Palma vermitteln. Wer oberhalb der Wolken wandern will, mit dem Meer auf beiden Seiten der Insel sichtbar, wählt den GR 131 (El Bastón): Seine Ruta de la Crestería entlang des Calderarands gehört zu den spektakulärsten Strecken des gesamten Archipels.

Ruta de los Volcanes — Der Kammweg des Südens

Das ist die dramatischste Route auf La Palma. Sie beginnt beim Refugio El Pilar (Gipfelbereich, 1.450 m) und verläuft ~18 km entlang der Cumbre Vieja bis Los Canarios (6-7 Stunden); wer bis zum Leuchtturm von Fuencaliente weitergeht, kommt auf ~24 km. Auf einer Seite: der Atlantische Ozean 1.000 Meter unter den Füßen. Auf der anderen: die Krater der Vulkane, die den Süden der Insel über Jahrhunderte geformt haben. Der Tajogaite — der Vulkan, der 2021 ausbrach — ist von mehreren Punkten der Route aus sichtbar.

Schwierigkeit: mittel bis hoch. Frühzeitiger Start unbedingt empfehlenswert, um dem nachmittäglichen Nebel zu entgehen.

Barranco de las Angustias

Der klassische Abstieg in die Caldera de Taburiente beginnt in Los Brecitos (Anfahrt per Taxi ab Los Llanos) und endet im Barranco de las Angustias (siehe eigenen Abschnitt). Die Schlucht Barranco de las Angustias ist der einzige zu Fuß zugängliche Eingang ins Innere der Caldera: 11 km Abstieg zwischen 300 Meter hohen Felsen, mit mehrfachen Querungen des Flusses Angustias. Am Ende: der Flussstrand Playa de Taburiente, möglicherweise der stillste Ort auf den Kanaren.

Fuentes de Marcos y Cordero

Im Nordmunizipium San Andrés y Sauces sprudeln zwei Quellen buchstäblich aus dem Felsen im Inneren des Lorbeerwaldes: die Quellen Marcos und Cordero. Das Wasser — etwa 20.000 Liter pro Stunde — fällt als Wasserfälle, die ein Mikroklima aus Feuchtigkeit und üppiger Vegetation geschaffen haben. Der Zugangsweg (5-6 Stunden, 13 Tunnel, Stirnlampe erforderlich) durchquert einen der besterhaltenen Lorbeerwälder der Kanaren.


Punta Gorda, La Palma

Vulkane: der Tajogaite und der historische Vulkanweg

La Palma ist die vulkanisch aktivste Insel der Kanaren. Der Tajogaite — während des Ausbruchs umgangssprachlich als „der Vulkan der Cumbre Vieja“ bezeichnet — trat am 19. September 2021 in Aktion und stoppte erst am 13. Dezember: 85 Tage, 1.200 Hektar von Lava bedecktes Land, 7.000 evakuierte Menschen.

Heute ist der Tajogaite eine der wichtigsten Touristenattraktionen der Insel. Die Lavafelder, die das Meer erreichten und dabei 48 Hektar neues Land schufen, sind über mehrere Aussichtspunkte und vom Cabildo eingerichtete Wanderwege zugänglich. Das Gebiet La Bombilla und Puerto Naos ist wegen vulkanischer CO₂-Bodenentgasung noch teilweise gesperrt — eine einzigartige Eigenschaft, die diese Stadtteile zu Orten mit kontinuierlicher atmosphärischer Überwachung macht.

Praktische Hinweise:
– Das Centro de Interpretación del Tajogaite (Los Llanos de Aridane) bietet kostenlose Ausstellungen über den Ausbruch.
– Der Mirador de Tajuya (Jedey) bietet den besten Panoramablick auf den Vulkankegel.
– Die Wanderwege durch die Lavafelder sind vom Cabildo ausgeschildert. Einige Abschnitte liegen im gesperrten Bereich: Absperrungen unbedingt respektieren.
– Empfohlene Besuchszeit: morgens, bevor der Nordnebel einzieht.

Der historische Vulkanweg (vor dem Tajogaite) führt am Krater des Teneguía vorbei — dem letzten vorherigen Vulkan, aktiv 1971 — und durch das Gebiet von Fuencaliente, wo die historische Lava das Meer erreichte und Winzer Reben in die Lapillifelder pflanzten. Diese Zone produziert einige der unverwechselbarsten Weine der Welt (siehe Weinabschnitt).


Astronomie: der dunkelste Himmel Europas

La Palma hat seit 1988 ein Gesetz zum Schutz des Nachthimmels — eines der ersten weltweit. Dieses Gesetz begrenzt die Lichtverschmutzung auf der gesamten Insel und macht La Palma zur bedeutendsten Starlight-Reserve im Atlantik.

Das Observatorium Roque de los Muchachos (2.426 m) ist das größte astrophysikalische Zentrum der nördlichen Hemisphäre. Seine Teleskope — das Gran Telescopio Canarias (GTC) mit dem weltweit größten 10,4-Meter-Spiegel, plus 14 Instrumente anderer internationaler Agenturen — sind dem Publikum im normalen Betrieb nicht zugänglich. Das Observatorium organisiert jedoch Tage der offenen Tür im Juli (Termine prüfen unter iac.es), an denen Einblicke möglich sind.

Für den unabhängigen Besucher:

Das beste Astronomie-Erlebnis auf La Palma ist kostenlos und erfordert keine Reservierung: nachts raus, außerhalb jedes Ortskerns. Die Gipfelzonen (Roque de los Muchachos, La Cumbrecita, El Paso) haben die geringste Lichtverschmutzung. Winter und Frühling bieten die besten atmosphärischen Bedingungen.

Mit Führung:

Mehrere lokale Anbieter bieten Astronomienächte mit Teleskopen und Erklärungen an:
Astrotours La Palma: 2-3-stündige Sitzungen von Fincas in der Gipfelzone. Preis ca. 30-40€ pro Person.
– Einige Ferienhaus-Eigentümer in der Höhenzone organisieren private Beobachtungsnächte für ihre Gäste.


Sendero, La Palma

Die Caldera de Taburiente: das Herz der Insel

Die Caldera de Taburiente ist einer der ältesten Nationalparks Spaniens (1954). Sie ist kein Vulkankrater, sondern eine Erosionskaldera: ein 8 Kilometer breiter, durch Millionen Jahre Wind, Regen und Erdrutsche ausgehöhlter Kessel, mit Wänden, die an einigen Stellen 2.000 Meter erreichen.

Im Inneren der Caldera gibt es keine Straße. Nur Wanderwege, Bäume und den Fluss Angustias, der den Boden durchquert und die von den Wänden herabfließenden Nebenflüsse aufnimmt.

Zugänge:

  1. Über den Barranco de las Angustias (von Los Llanos de Aridane): 11 km Wanderweg durch das Schluchttal. Zugang über den Parkplatz Barranco de Las Angustias. Keine Reservierung erforderlich.

  2. Über La Cumbrecita (von El Paso, per Straße): Aussichtspunkt mit Blick ins Innere der Caldera. Von hier starten mehrere Wanderwege entlang des oberen Randes. Der beliebteste führt zum Mirador de los Roques bzw. zum Lomo de las Chozas. Für den Parkplatz an der Cumbrecita ist eine kostenlose Online-Reservierung erforderlich (reservasparquesnacionales.es).

  3. Über den Roque de los Muchachos (nördlicher Gipfel): Gipfelpfad mit Blick ins Innere. Erfordert mehr körperliche Kondition.

Reservierungen:

Der Nationalpark begrenzt die tägliche Besucherzahl in der Hochsaison (Juni-September). Buchungen: reservasparquesnacionales.es.


Lorbeerwald: die Wälder aus der Zeit der Dinosaurier

Die Laurisilva ist das älteste Ökosystem der Kanaren und eines der seltensten weltweit. Es handelt sich um eine Art subtropischen Feuchtwald, der vor 40 Millionen Jahren Südeuropa und Nordafrika bedeckte und der nur in den makaronesischen Archipelen (Kanaren, Azoren, Madeira, Kapverdische Inseln) überlebte, als die Eiszeiten den Kontinent abkühlten.

Auf La Palma finden sich die besten Lorbeerwaldgebiete im Norden der Insel (Garafía, San Andrés y Sauces, Barlovento) und an den inneren Hängen der Caldera de Taburiente.

Empfohlene Routen:
Bosque de Los Tilos (San Andrés y Sauces, erstes Biosphärenreservat der Kanaren): Rundwege ab dem Besucherzentrum Los Tilos
Fuentes de Marcos y Cordero (San Andrés y Sauces): siehe Wanderabschnitt
El Bosque de La Galga: zugänglich von der Straße LP-1, im Munizipium Puntallana


Paisaje, La Palma

Vulkanwein: die DO La Palma

Die Herkunftsbezeichnung La Palma produziert Weine in drei sehr unterschiedlichen Subzonen: Fuencaliente (jüngste Laven, Lapilliböden), Hoyo de Mazo (rote Höhenböden) und Norte de La Palma (die grünsten und atlantischsten Lagen der Insel).

Was den palmerischen Wein außergewöhnlich macht, ist das Terroir von Fuencaliente: Die Reben wachsen auf Lapillifeldern (poröses Vulkangestein) über Lava des San Antonio (1677) und des Teneguía (1971). Auf diesen Böden gibt es keine Reblaus — der Schädling, der europäische Weinberge im 19. Jahrhundert verwüstete, überlebt nicht in Lapilli. Das bedeutet, dass viele palmerische Rebstöcke über 100 Jahre alt sind, ohne Pfropfung, auf eigener Wurzel.

Besuchswürdiges Weingut (Fuencaliente):
Bodegas Teneguía (Kooperative Llanovid): das bekannteste Weingut der Insel, Besuche nach Voranmeldung, gute Weißweine aus der Albillo-Traube

Der Vino de Tea:
Der Vino de Tea ist eine einzigartige Spezialität aus dem Norden La Palmas (Puntagorda, Tijarafe, Garafía): Rotwein, der in Fässern aus kanarischer Kiefer (pino tea = Kernholz der Kanarischen Kiefer, Pinus canariensis) gereift ist. Das Ergebnis ist ein Wein mit harzigen Aromen, die nirgendwo sonst auf der Welt zu imitieren sind.


Gastronomie: was man unbedingt probieren muss

Die palmerische Küche ist eine Überlebensküche, die zum Genuss wurde. Produkte, die aus der Not angebaut wurden — Batate, Gofio, Banane, Käse — sind zu kulinarischen Identitätsmerkmalen geworden, die nirgendwo sonst zu finden sind.

Was man nicht verpassen sollte:

Gofio: geröstetes Getreidemehl (Weizen, Mais, Gerste), das älteste Nahrungsmittel der Kanaren. Es erscheint in Eintöpfen, Escaldón (Gofio-Suppe mit Brühe), Amasados (kompakte Masse, die wie Brot gegessen wird) und Eis. Gofio-Eis von La Palma ist außerhalb der Insel kaum zu finden.

Truchas de batata y almendra: frittierte Teigtaschen mit eingekochter Batate oder gemahlener Mandel gefüllt. Traditionell zu Weihnachten, aber das ganze Jahr in lokalen Bäckereien erhältlich.

Palmerischer Räucherkäse (Queso Palmero): Schaf- oder Ziegenkäse, geräuchert mit Mandelschalen, Bananenschale oder Kiefernrinde. Das Räuchern verleiht einen charakteristischen Geschmack, der außerhalb von La Palma kein Gegenstück hat.

Miel de palma: nicht Bienenhonig, sondern der konzentrierte, fermentierte und reduzierte Saft der Kanarischen Dattelpalme. Geschmack zwischen Melasse und bitterem Karamell. Traditionell auf der Nachbarinsel La Gomera hergestellt, aber auch auf La Palma überall erhältlich.

Märkte:
Mercado Municipal de Los Llanos de Aridane (dienstags und samstags morgens): der größte der Insel, mit Ständen lokaler Bauern
Mercado de Santa Cruz de La Palma (donnerstags und sonntags): kleiner, in der historischen Altstadt


Strände: die schwarzsandige Vulkanküste

Die Strände von La Palma sind nicht die Strände von Fuerteventura oder Gran Canaria-Süd. Es sind Schwarzsandstrände (manchmal aus vulkanischem Basalt), Basaltgestein, Atlantikwellen und in einigen Fällen ins Gestein gegrabene natürliche Schwimmbecken.

Wichtig vorab:
– Puerto Naos (der bekannteste Strand des Westens) ist seit 2021 wegen vulkanischer CO₂-Emission noch teilweise gesperrt. Status vor dem Besuch prüfen: cabildodelapalma.es
– Die Strände des Nordens sind kälter und haben stärkere Strömungen
– Die Strände des Südens haben wärmeres Wasser (besonders Echentive und Zamora in Fuencaliente)

Die besten zugänglichen Strände:

Charco Verde (Los Llanos de Aridane): dunkler Sand und Stein in einer geschützten Bucht. Ruhige Atmosphäre, gut zum Schnorcheln. Zugang über Wanderweg (15 Min. vom Parkplatz). De-facto-Naturistenbereich.

Playa de Tazacorte (Tazacorte): Stadtstrand mit schwarzem Vulkansand und der belebtesten Promenade des Westens. In der Gemeinde mit der dichtesten Infrastruktur: Strandbars, Restaurants, Fußgängerzone.

Los Cancajos (Breña Baja): 5 km von Santa Cruz de La Palma entfernt, der Stadtstrand der Hauptstadt. Natürliche Schwimmbecken, geschütztes Wasser, gute Infrastruktur.

Punta de Fuencaliente (Vulkanzone): eigentlich kein richtiger Strand, sondern ein jüngeres Lavaplateau des Teneguía. Lavabecken bilden kristallklare natürliche Schwimmbecken. Einer der fotogensten Orte der Insel.


Wie man seine Woche auf La Palma einteilt

7 Tage reichen aus, um La Palma gut kennenzulernen, wenn man sie richtig einteilt. Die häufigsten Fehler: jeden Tag mit dem Auto quer durch die Insel fahren (die Straßen sind langsam und die Entfernungen täuschen) und Vulkan und Observatorium ans Ende stellen, wenn das Wetter es dann verhindert.

Empfohlene Struktur:

Tage 1-2: Südzone. Ankunft. Akklimatisation. Ruta de los Volcanes (früh morgens). Weingüter Fuencaliente am Nachmittag. Abendessen in Los Llanos de Aridane.

Tag 3: Caldera de Taburiente. Zugang über La Cumbrecita (Parkplatz vorab online reservieren) oder Abstieg durch den Barranco de las Angustias (keine Reservierung nötig). Nachmittag: Ausruhen.

Tag 4: Nordzone. Fuentes de Marcos y Cordero. Bosque de Los Tilos. Garafía. Rückfahrt über die Kammstraße.

Tag 5: Santa Cruz de La Palma (Hauptstadt). Spaziergang durch die Altstadt. Markt. Marinemuseum.

Tag 6: Astronomienacht. Auffahrt zum Roque de los Muchachos oder Gipfelzone El Paso. Sitzung mit lokalem Anbieter (im Voraus buchen). Übernachtung in einem Bergferienhaus, um den Sternenhimmel zu nutzen.

Tag 7: Strände und Entspannung. Los Cancajos, Charco Verde oder Tazacorte je nach Wind und Meereszustand.

Unterkunft:

Die beste Basis für die Erkundung von La Palma ohne tägliches Umziehen ist ein Ferienhaus in der mittleren Zone: zwischen Los Llanos de Aridane und El Paso. Von dort sind alle wichtigen Gebiete in weniger als 45 Minuten erreichbar.

Wer ein Ferienhaus auf La Palma sucht, um seinen Aufenthalt zu planen: Der Ratgeber für Ferienhäuser auf La Palma behandelt alles, was man über Zonen, Preise und worauf man je nach Reisetyp achten sollte.


Casitas Canarias verwaltet Ferienhäuser und Villen auf La Palma, Gran Canaria und Fuerteventura. Mehr Informationen unter casitascanarias.com.